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Kommentare 2006


Erfahrungsbericht Sandra Siegel


Ein Ferienlager nur für ADHS-Kinder, ein deutschlandweit einmaliges Projekt. Als ich erstmals davon gehört habe, wusste ich, dass der Betreuerjob hier eine echte Herausforderung wäre, der ich mich unbedingt stellen wollte. Auch jetzt, nur eine Woche nach dem Ende des Ferienlagers, bereue ich diese Entscheidung keinesfalls. Die vergangenen 14 Tage waren nicht nur erfahrungs- und lehrreich in Hinsicht auf mein Sozialpädagogikstudium, sondern haben auch mich persönlich stark geprägt.

Ich habe die gesamte Organisation sowie den Grundaufbau des Betreuungssystems als sehr positiv erlebt. Das Projekt "Ferienlager für ADHS-Kinder" wurde von Fred Freese, dem Verantwortlichen für die ADHS-Selbsthilfegruppe in Neubrandenburg, ins Leben gerufen. Bereits im Jahre 2003 fand dies erstmalig unter der Leitung von Herr Freese statt. Er organisiert die Fahrt nicht nur, sondern übernimmt auch vor Ort die Hauptverantwortung. Die teilnehmenden Kinder waren zw. fünf und 16 Jahren alt. Ihrem Alter entsprechend, wurden sie einer der drei Gruppen zugeordnet. Hierbei standen die rote (fünf bis neun Jahre), die grüne (zehn bis 13 Jahre) und die blaue Gruppe (14 bis 16 Jahre) zur Wahl. Jede einzelne von ihnen unterlag der Leitung durch einen Betreuer, der zum Gruppenleiter ernannt wurde. Gibt es innerhalb der Gruppen Probleme, die intern nicht gelöst werden können, treten die Gruppenleiter mit diesen an Fred Freese heran und suchen mit ihm gemeinsam nach einer Lösung. Weiterhin fanden sich alle Betreuer allabendlich um 22 Uhr zu einem gemeinsamen Gesprächskreis zusammen. Auch hier konnten Vorschläge unterbreitet, Probleme angebracht oder Diskussionen entfacht werden. Jedem einzelnen stand es frei, sich zu Wort zu melden und so in den gesamten organisatorischen Aufbau oder die Tagesplanung einzugreifen. Diese klare Struktur hat es ermöglicht, dass jeder einzelne Betreuer stets einen Ansprechpartner (seinen Gruppenleiter) hatte, sobald Probleme, Fragen oder gar Zweifel aufkamen. Da bereits innerhalb kürzester Zeit eine gewisse Vertrauensbasis unter den Betreuern bestand, nahmen diese das Gesprächsangebot mit dem Gruppenleiter auch ausnahmslos an, sobald sich Fragen offenbarten oder Probleme auftraten. Daher kam es zu keinem Zeitpunkt dazu, dass aufgrund organisatorischer, fachlicher oder gar persönlicher Probleme der Betreuer Frust oder Aggressionen auf die Kinder übertragen wurden. Diese Begebenheit trug wesentlich zu einem sehr angenehmen und sicheren Arbeitsklima bei. Des weiteren bin ich davon überzeugt, dass wir selbiges Gefühl auch den Kindern vermittelt haben. Sie konnten sich stets darauf verlassen, dass auch der folgende Tag keine einzige langweilige Stunde mit sich bringt, da allabendlich eine einstündige Gesprächsrunde im Betreuerkreis der roten Gruppe stattfand. Auch hier bot sich jedem einzelnen die Möglichkeit, Probleme, Sorgen oder Ängste zu äußern und mit Hilfe der übrigen Betreuer einen Lösungsweg zu finden. Weiterhin wurde hier stets der Ablauf des kommenden Tages besprochen und geplant, wobei jeder einzelne Vorschlag von Kindern bzw. Aufsichtspflichtigen zu berücksichtigen versucht wurde. Ob es sich dabei um baden, reiten oder die Planung für das anstehende Piratenfest handelt, sei einmal dahingestellt. Denn selbst eine Piratentaufe möchte gut durchdacht sein. Welches aufgeweckte, phantasievolle und abenteuerlustige Kind möchte schon gerne einen so langweiligen und unpassenden Namen wie "träumende Seegurke" tragen? Erst diese individuelle "Liebe zum Detail" gibt den Kindern das Gefühl, dass wir sie so wahrnehmen und akzeptieren wie sie sind. Unabhängig davon, was sie den Tag über "angestellt und ausgefressen" haben.

Ich gebe gern und offen zu, dass dieser Job alles andere als einfach ist, jedoch haben mir die Kinder in kleinsten, vielleicht sogar alltäglichen, Gesten immer wieder gezeigt, wie liebenswert sie doch sind. Ich denke, das sollte niemals in Vergessenheit geraten, denn unabhängig davon, welches Krankheitsbild einen Menschen zeichnet, hat jeder einzelne ganz individuelle Eigenschaften, die ihn zu etwas Besonderem und Einmaligem machen. Zunächst bin ich stets davon ausgegangen, dass ich wüsste, wie wichtig mir meine Familie sowie Freunde sind und welche Charaktereigenschaften sie für mich zu etwas Besonderem machen. Diese Kinder jedoch haben mir gezeigt, dass man einige Dinge erst begreift, wenn man ausreichend Geduld, Respekt und Liebe aufbringt. Das erkannt zu haben, bedeutet mir wirklich viel und hat meine persönliche Lebenseinstellung sowie mein Menschenbild bereits jetzt wesentlich beeinflusst. Hierbei handelt es sich um eine Erfahrung, die ich nicht nur der gelungenen Organisation, sondern auch dem idealen Betreuungsschlüssel von eins zu zwei zu verdanken habe. Jedem Betreuer wurden zwei, in Ausnahmefällen auch drei, Kinder zugewiesen. Abhängig davon, ob der Teilnehmer bzw. der Betreuer eine oder zwei Wochen teilnahm, fiel diese Entscheidung. Kinder, die über einen Zeitraum von 14 Tagen blieben, erhielten einen Aufsichtspflichtigen, der eine ebenso lange Aufenthaltsdauer hatte. Somit mussten sich weder Kinder noch Betreuer während der Freizeit auf neue Betreuungsverhältnisse umstellen und der Ausbau einer guten Vertrauensbasis zw. beiden war somit gegeben. Weiterhin verschaffte den Kindern das Wissen, dass sie einen festen Betreuer haben, die Möglichkeit, stets einen Ansprechpartner und eine Bezugsperson zu haben, die ihnen helfen kann und sie nicht an den "nächsten Zuständigen" verweist. Diese Gegebenheit bietet den Kindern neben Sicherheit auch das Gefühl, nie allein gelassen zu werden. Um dieses Vertrauensverhältnis jedoch aufzubauen und aufrecht zu erhalten, ist es wichtig, die Kinder so anzunehmen, wie sie sind, ihnen keine Vorwürfe zu machen oder immer wieder auf vergangene Situationen anzuspielen, in denen sich das Kind nicht den Regeln entsprechend benommen hat. Gegenseitiger Respekt und das stetige Einhalten von Versprechungen sowie Ankündigungen ist hierbei unentbehrlich und absolut grundsätzlich. Dieser Betreuungsschlüssel offenbart jedoch noch weitere Vorteile. So sind die Kleingruppen (der Betreuer und die ihm zugewiesenen zwei bzw. drei Kinder) beispielsweise unabhängig in ihren Unternehmungen von den übrigen Kleingruppen der eigenen Gruppe sowie der roten, grünen bzw. blauen Gruppe insgesamt. Das befähigt den Aufsichtspflichtigen auf individuelle Wünsche und Vorlieben der Kinder einzugehen. Hat die rote Gruppe z.B. beschlossen, einen Waldspaziergang zu machen und einige Kinder sind für diesen Vorschlag überhaupt nicht zu begeistern, hat der Betreuer die Möglichkeit, mit seinen Kindern stattdessen eine andere Beschäftigung auszuwählen und mit seinen Betreuungskindern nicht an dem Spaziergang teilzunehmen. Sicherlich fragen Sie sich nun, welche Optionen ihm weiterhin zur Verfügung stehen, wenn lediglich eines der Kinder spazieren gehen möchte und das zweite lieber einer anderen Beschäftigung nachgeht?! Auch für diese Problemkonstellation bietet das Betreuungssystem einen optimalen Lösungsvorschlag, denn unterhalb der Betreuer besteht die Chance des Tauschens der Aufsichtspflicht. Eines meiner Kinder beispielsweise hatte keine Lust darauf, sich an dieser Wanderung zu beteiligen, während das andere hellauf begeistert war. Daraufhin habe ich mich mit einer weiteren Betreuerin darüber unterhalten und sie teilte mir mit, dass sie bei ihren Kindern mit genau der gleichen Situation konfrontiert war. Wir einigten uns folglich, wer von uns beiden am Waldspaziergang teilnahm und wer mit den anderen zwei Kindern zum Basteln ging. Auf diese Weise konnten derartige Probleme stets innerhalb kürzester Zeit gelöst werden. Selbst wenn in der gesamten roten Gruppe nur ein Kind nicht mitgehen möchte, gibt es die Möglichkeit, dass sein Betreuer mit ihm allein etwas anderes unternimmt. In diesem Fall wird ein weiterer Betreuer gebeten, für das zweite Kind die Aufsichtspflicht zu übernehmen, so dass sich dieser während der vereinbarten Zeit um drei Kinder kümmert. Wurde diese ganze Situation einmal zu chaotisch und unübersichtlich, konnte als "letzter Ausweg" der Springer eingesetzt werden. Ließen sich die Vorstellungen einzelner Kinder gar nicht mit der übrigen Organisation in Einklang bringen, half ein weiterer Betreuer, der keine Betreuungskinder unter seiner Fittiche hatte, aus. Jedoch musste dies auch mit der grünen und blauen Gruppe abgesprochen werden, da der Springer von jeder Gruppe um Hilfe gebeten werden konnte.

Auch unterhalb der Betreuer, unabhängig vom Gruppenleiter, wurde nicht selten das Gespräch bezüglich Problembewältigung, offener Fragen oder der Bitte um Tipps gesucht. Wir alle waren uns darüber im Klaren, dass wir die gleiche Herausforderung zu bewältigen hatten und uns dies umso leichter und effektiver von der Hand ging, wenn wir uns gegenseitige Hilfestellungen geben. Ich selbst habe oft das Gespräch gesucht und so eine zahlreiche Tipps erhalten, die sich größtenteils als sehr wirkungsvoll im Umgang mit den Kindern erwiesen. Auf diese Weise habe ich viel über die praktische pädagogische Arbeit gelernt. Ich habe die Tipps erhalten, größtenteils erst einmal angenommen und dann für mich selbst entschieden, welche davon ich auch praktisch umsetzen möchte. Ich bin auch im Nachhinein noch der Meinung, dass meine Entscheidungen richtig waren und diese das 14tägige Zusammenleben mit den Kindern wesentlich stressfreier und harmonischer gestaltet haben. Nichts desto trotz, brauchte ein jeder von uns Betreuern ab und an auch ein wenig Zeit für sich, um zu entspannen oder lediglich ein paar Minuten der Ruhe zu genießen. Selbst in diesem Fall konnten andere Betreuer gebeten werden, für einen bestimmten Zeitraum auf die Kinder zu achten, so dass einer Auszeit nichts mehr im Wege stand. Auf diese Weise konnte die Gefahr der völligen Überlastung oder Überforderung eingedämmt werden. Schlechte Laune oder Verstimmungen wurden so rechtzeitig gedämpft ohne dass sie auf die Kinder übertragen werden.

Diese gesamte Organisationsweise bietet ADHS-Kindern deutschlandweit die einmalige Möglichkeit, an einem Ferienlager teilzunehmen. Meiner Meinung nach ist es äußerst bedauernswert, dass die Umsetzung dieser Idee bis heute einzigartig geblieben ist. Das liegt zum einen daran, dass die Nachfrage sowie der Bedarf derartiger Freizeitaktivitäten für ADHS-Kinder und -Jugendliche weit größer ist als das momentane Angebot. Des weiteren habe ich nicht nur gesehen, wie glücklich die Kinder während dieser Ferienfreizeit waren, ich habe es miterLEBT. Kinder, die nie zuvor so etwas wie Freundschaften erlebt haben oder das Wort Spielkamerad nicht einmal kannten, erhielten hier die Chance, fern von jeglicher sozialer Ausgrenzung, Freunde zu finden und ein gemeinsames Spiel zu erleben. Kinder, die in ihrem Heimatort stets von Gleichaltrigen gemieden wurden, fanden hier Anschluss und Zuspruch. Einzelkämpfer schlossen sich gemeinsam mit anderen Kindern zu Gruppen zusammen. Gemeinsam bewältigten sie Aufgaben, denen sie allein nicht gewachsen waren. Sie lernten die Bedeutung von Zusammengehörigkeitsgefühl, Kooperation und Arbeiten im Team kennen. Sie sammelten während dieser sieben bzw. 14 Tage Erfahrungen, die sie zu sammeln in ihrem gewohnten Umfeld nie die Gelegenheit geboten bekamen. Sie lernten viel über sich und für ihr weiteres Leben. Und dazu zählt vor allem, dass sie spüren konnten, dass auch sie liebenswerte Menschen sind, die von anderen Kindern sowie Erwachsenen akzeptiert und respektiert werden.

Sandra Siegel
(Studium zur Diplom-SozialarbeiterIn/-SozialpädagogIn im 5. Fachsemester an der Hochschule Neubrandenburg)
Neubrandenburg, den 12.09.2006


Erfahrungsbericht Simone Zülke

Wir waren das erste Mal mit im ADHS-Ferienlager, haben Eindrücke und Erfahrungen sammeln können. Kinder, die es im Alltag nicht immer leicht haben, waren sie selbst und wurden auch so verstanden. Die Betreuung war sehr intensiv und auch anstrengend, aber es war auch notwendig. Das Motto der Woche "Indianer" war mit vielen Aktionen verbunden. Ich habe Kinder erlebt, die trotz allem die Gabe haben, auf noch Schwächere einzugehen. Meine Tochter hat starke Sprach- und Entwicklungsverzögerungen. Sie wurde von den anderen nicht abgelehnt, sondern war immer mit dabei. Die Woche hat ihr gut getan. Sie hat viele positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse sammeln können. Das ADHS-Ferienlager sollte unseren Kindern erhalten bleiben und vor allem auch unterstützt werden. 

(Mutter, Betreuerin kleine Gruppe)


Erfahrungsbericht Silvia Schmidt

 

Hallo Fred, 
wenn Wieland normarlerweise von Klassenfahrten o.ä. zurück kommt, ist er heiser, in desolaten Zustand, überdreht und zu nichts zu gebrauchen. Die Sachen fliegen in irgendeine Ecke und oft schläft er ersteinmal den Rest des Tages, bis man sich mit ihm unterhalten kann. 
Das war diesmal ganz anders. Als Karls Vater ihn brachte, wirkte er ruhig, ausgeglichen und vor allem irgendwie selbstbewußt, reifer. Wir haben kurz danach gegessen, das Essen verlief ohne fummeln, grapschen, kippeln und er blieb bis zum Ende sitzen. Wir haben uns über das Ferienlager unterhalten, er hat auch viele Einzelheiten erzählt (Was er sonst nicht kann, weil es "weg" ist.), insgesamt in sehr fröhlichen begeisterten Ton. Und dann sagte er "Also ich hab beschlossen, ich fahr da nächstes Jahr wieder hin."
Wieland hat beim Aus- und Wegpacken seiner Sachen mitgemacht und war überhaupt höchst kooperativ, noch viele Tage lang. Das tägliche, manchmal stundenlange Tauziehen, fiel aus. Und das sehe ich als Zeichen für gestiegenes Selbstbewußtsein. Denn dieses Tauziehen und Provozieren ist für ihn oft Ausdruck seiner Unzufriedenheit mit sich selbst und abreagieren von Frust. Nun spürte man richtig, dass er mit sich selbst im Reinen war, weil er sich im Ferienlager bei den anderenwirklich wohl gefühlt hat. Er ist auch mit viel Vorfreude hingefahren, weil er ja wußte, dort sind alles Kinder mit ähnlichen Problemen, er brauchte also keine Angst zu haben bzw. nicht vorbeugend den Clown oder Großkotz zu miemen.
Seinem Freund aus dem Wohngebiet hat er auch gleich am Telefon was vorgeschwärmt.

Soweit zu Wieland und man kann die Bedeutung dieses Ferienlagers und auch Dein persönliches Engagement gar nicht hoch genug schätzen.
Mit freundlichen Grüßen!
- auch im Namen von Wieland und meinem Mann -
 Silvia Schmidt
18.09.2006


Erfahrungsbericht Jeannette Friedrich

 

Sehr geehrter Herr Freese, 
die Zeit vergeht und das Ferienlager 2006 ist vorbei. Der Schulalltag hat uns schon seit 4 Wochen wieder und unser Sohn Patrick schaut schon in Richtung Herbstferien. Doch das Ferienlager im Forsthof Schwarz ist immer noch Gesprächsthema in unserer Familie. Gerade bei unserem Sohn ist es doch sehr ungewöhnlich, dass immer noch Geschichten und Erlebnisse erzählt werden. Das er viel Freude und Spaß hatte, steht hier außer Frage. Das er Erfahrungen gesammelt hat, die ihm keiner nehmen kann und das es endlich auch ohne Eltern ging, so glauben wir, war das beste. Ein Ferienlager für unsere Kinder bedeutet nicht nur Erholung für sie, es bedeutet auch Erholung für uns Eltern. Wir finden, dass dieses Ferienlager eine Zukunft bekommen sollte. Dieses sollte jedem bewusst sein, der weiß, was es heißt, ein ADHS-Kind zu haben, und das gerade Eltern, die sich bewusst mit ihren Kindern auseinandersetzen und mit ihnen arbeiten, auch Hilfe brauchen. Das kann nur ein Ferienlager sein, wo wir die Gewissheit haben, dass unsere Kinder in den richtigen Händen sind. Das Ferienlager ist eine große Hilfe für die Entwicklung unserer Kinder. Aus diesem Grund sollte jede Krankenkasse, jede Organisation, jedes Bundesland seine Spende geben, damit diese Arbeit weitergehen kann. Einen riesigen Dank an Sie, Herr Freese, und an jede einzelne Betreuerin und Betreuer für diese Ferienlagerzeit. Wir können nur sagen: "Macht weiter so und bleibt weiter für unsere Kinder da!" Denn eines ist sicher, es gibt immer mehr Kinder mit diesem Problem. Es gibt auch genügend Eltern, die diese Zeit brauchen, um dann wieder Kraft und Verständnis für ihre Kinder zu haben. Die Anerkennung für jeden Betreuer, der unseren Kindern diese schöne Zeit gab, sollte eigentlich auf einer Ebene stattfinden, die über Bundesländer hinausgeht. Wir glauben, dass es viele Eltern gibt, die genauso denken wie wir. In diesem Sinne möchten wir uns nochmal bedanken und wünschen für das Jahr 2007 viele Sponsoren. 
Zum Schluß möchte ich Ihnen sagen, was unser Sohn noch heute am besten fand Fahrrad fahren bis zum Umfallen
Kanu fahren Mutprobe die Betreuer waren super das er immer den Bastelraum nutzen konnte
Mit vielen Grüßen Patrick und seine Eltern

Peter und Jeannette Friedrich
18.09.2006


Erfahrungsbericht Marita Jahncke(als Mutter)

Ferienlager für ADHS-Kinder

Für meinen Sohn gab es selten die Möglichkeit, dass er in ein Ferienlager fahren konnte.
Er ist hyperaktiv und da es grundsätzlich Verhaltensauffälligkeiten gab, habe ich mich nicht getraut ihn allein irgendwohin fahren zu lassen. Selbst von einer Klassenfahrt musste ich ihn vorzeitig abholen.
Das erste Ferienlager für hyperaktive Kinder war 2003 in Rieth. Es war eine Riesenmöglichkeit für meinen Sohn mal ohne Mutti wegzufahren. Dieses Ferienlager und vor allem die darauffolgenden im Forsthof Schwarzhaben im gut getan. Ohne Stress, aber mit Richtlinien, die er verstehen konnte, hatte er eine Woche völliger Erholung.
Das soziale Zusammenleben mit anderen Kindern konnte er auf eine neue Art erfahren, ohne das er abgelehnt wurde, sondern er hat mit Spass und Freude ein neues, echtes Zusammensein kennen gelernt. Er hatte das Gefühl gleich unter gleichen zu sein und es war nicht zu merken das sie ja hyperaktive Kinder sind.

Erfahrungsbericht Marita Jahncke (als Betreuerin)
Ferienlager für Kinder mit ADHS

Seit 2003 gibt es ein Ferienlager von der Selbsthilfegruppe für hyperaktive Kinder in Neubrandenburg. Maßgeblich ist dafür Fred Freese federführend - ohne sein Engagement wäre die gesamte Selbsthilfegruppe nicht so aktiv und ein Ferienlager dieser Art nie entstanden. Das erste Ferienlager war in Rieth ,aber seit 2004 fahren wir in den Forsthof Schwarz bei Mirow. Dort haben wir ideale Voraussetzungen und das Personal dort ist auch sehr nett.

Warum

Die Idee für das Ferienlager beruht einfach auf der Tatsache das hyperaktive Kinder in den jeweiligen Ferienlagern Schwierigkeiten haben. Oft werden sie vorzeitig nach Hause geschickt - warum auch immer. Daher gibt es auch ständig von den Eltern Ängste, ob das Kind sich denn diesmal benehmen wird, oder sie fahren erst gar nicht in die Ferien.

Grundlage

Das Konzept für das Ferienlager beinhaltet das jeder Betreuer für zwei Kinder verantwortlich ist und in jeder Gruppe sind ,je nach Alter etwa 15 bis 20 Kinder. In diesem Jahr waren insgesamt etwa 75 Kinder im Ferienlager, manche beide Woche oder wahlweise die erste oder zweite Woche. Außerdem haben wir auch 2 -3 Rettungsschwimmer und demzufolge waren wir ständig etwa 70 Personen.

Betreuer

Ich war in diesem Jahr (2006) das dritte Mal als Betreuerin mit, und auch das nächste Jahr werde ich versuchen wieder mitzufahren .Es ist einfach schön und es macht viel Spaß. Natürlich ist es nicht leicht eine oder auch zwei Wochen mit so einer Rasselbande zusammen zu sein - es ist zeitweise der pure Stress. Aber man lernt auch dazu. Als Mutter eines hyperaktiven Sohnes habe ich die Möglichkeit die Kinder miteinander zu vergleichen, zu sehen mein Sohn ist nicht allein "so". Auch Hilfe zur Erziehung gibt es, denn der Austausch mit den anderen Eltern findet ja täglich statt. Wir Betreuer profitieren also auch vom Ferienlager - von unseren Kindern, für unsere Kinder.

Kinder

Es gibt Kinder die schon das vierte Jahr in dieses Ferienlager mit fahren. Schon allein diese Tatsache bedeutet doch das es den Kindern Spaß macht. Im Ferienlager im Forsthof Schwarz haben die Kinder tolle Möglichkeiten zu spielen, zu toben und sich auch mal zurückzuziehen. Sie müssen nicht ständig aufpassen ob sie sich eventuell mit Kleinigkeiten danebenbenehmen Natürlich gibt es auch hier Regeln und Grenzen, aber da sie alle gleich unter gleichen sind und sich nicht in irgendeiner Weise behaupten müssen, akzeptieren sie dies. Für die Kinder ist gerade das zusammensein mit ihresgleichen unwahrscheinlich sinnvoll. Sie achten und beachten einander. Keiner wird ausgegrenzt und sie lernen das auch ein hyperaktives Kind in einer Gruppe spielen kann. Sie erkennen für sich neue Formen des Zusammenlebens und da hyperaktive Kinder sehr feinfühlig sind lernen sie für sich dazu.

Ablauf

Im Ferienlager 2006 gab es für jede Woche ein Thema - Piraten und Indianer. Die Kinder hatten einen Riesenspaß z.B. am verkleiden, denn sie hatten ihre Kostüme zum großen Teil selbst gebastelt. Das wichtigste ist natürlich das Baden, aber wir gehen auch wandern und wenn es heißt Kanu oder Ruderboot fahren sind sie immer begeistert. Jede Woche gibt es auch als besonderen Höhepunkt einen Ausflug, mal in ein Schwimmbad, einen Naturpark oder in´s Slawendorf. Das Sportfest war in diesem Jahr ein themengebundener Wettkampf. Ein Ausflug zum Reiterhof "Krümel" wird auch gerne mitgemacht. Aber auch die Kleinigkeiten -das Toben und Spielen auf dem Hofgelände sind wichtig und schön für die Kinder. Das Schönste sind natürlich die Abschlussfeste. Da wird sich verkleidet und gegrillt da gibt es eine Disco und die Taufurkunden und es wird getobt und richtig gefeiert. Manche Kinder, die zu Anfang vor lauter Angst und Heimweh geweint hatten, haben zum Abschied wieder geweint, weil das Ferienlager im Forsthof Schwarz zu Ende war.

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